HIV-Infektion und AIDS

HIV-Infektion und AIDS

AIDS ist das Endstadium einer HIV-Infektion und eine erworbene Immunschwächekrankheit. Dabei befällt das HI-Virus bestimmte Zellen des Immunsystems. Übertragen wird die Erkrankung zum Beispiel durch ungeschützten Geschlechtsverkehr. Heilbar ist eine HIV-Infektion nicht, aber sie ist heute gut behandelbar.

Kurzübersicht zu AIDS

  • Endstadium einer HIV-Infektion
  • Zunächst grippeähnliche Symptome wie Nachtschweiß oder Durchfall, dann Gewichtsverlust, Lungenentzündung, Tuberkulose, Hefepilzbefall, Kaposi-Sarkom
  • Medikamente hindern vor allem das Virus an der Vermehrung.
  • Die Ansteckung erfolgt meistens durch ungeschützten Sex oder infiziertes Drogenbesteck.
  • Die Diagnose basiert auf Bluttests mit Blick auf HIV-Antikörper oder HIV-Antigene.
  • Die Erkrankung ist bei früher Erkennung gut behandelbar, aber nicht heilbar.

Beschreibung

AIDS tritt erst im Endstadium der HIV-Infektion auf, wenn sich bereits eine ausgeprägte Immunschwäche mit lebensbedrohlichen Folgen wie Tumorbildung etabliert hat. Neben ungeschütztem Geschlechtsverkehr erfolgt die Ansteckung vor allem durch die Verwendung bereits gebrauchter und infizierter Spritzen beim Drogenkonsum.

Mit den modernen Medikamenten kann heute erreicht werden, dass AIDS erst gar nicht ausbricht, sodass die Patienten ein einigermaßen normales Leben führen können. In der Regel lässt sich die Viruslast medikamentös so weit im Blut reduzieren, dass sich der Erreger nicht einmal mehr nachweisen lässt, was bedeutet, dass der Patient seinen Partner nicht mehr ansteckt.

Die aktuelle Situation in Deutschland

Gemäß Robert-Koch-Institut (RKI) lebten gegen Ende 2019 hierzulande ungefähr 90.700 HIV-positive Menschen. Circa 2.600 Menschen haben sich im Jahr 2019 neu angesteckt, das sind etwas mehr als im Vorjahr.

HIV kurz erklärt

Das Akronym steht für „human immunodeficieny virus“, was man mit „menschliches Immunschwäche-Virus“ übersetzen könnte. Das HI-Virus vermehrt sich in den T-Helferzellen vom Typ C4, die zu unserem Immunsystem gehören. Zu diesem Zweck wird der genetische Bauplan des Virus in die T-Zelle eingeschleust, die dann selbst das Virus vervielfältigt und dadurch schließlich zerstört wird.

Um die HI-Viren abzuwehren, bildet der Körper spezielle Antikörper, welche das HI-Virus aufspüren. In dieser zum Teil jahrelangen Latenzphase ist der Patient bereits infiziert und kann andere Menschen anstecken, wobei er selbst kaum oder gar keine Krankheitssymptome spürt.

Doch irgendwann kommt die Zeit, wenn nur noch zu wenige T-Helferzellen vorhanden sind und dann haben alle Keime ein leichtes Spiel. Die Folge sind verschiedene Infektionskrankheiten und Tumore, die normalerweise eher selten auftreten. Damit ist das AIDS-Stadium eingetreten.

Die vier Buchstaben AIDS stehen für „acquired immune deficiency syndrome“, was man mit „erworbenes Immunschwächesyndrom“ übersetzen kann. Diese Phase der Erkrankung ist oft mit dem Wasting-Syndrom verbunden, das sich durch Fieber, häufigen Durchfall und starken Gewichtsverlust bemerkbar macht.

Das Gehirn bleibt von den Viren nicht verschont und reagiert oftmals mit einer „HIV-assoziierte Enzephalopathie“. Kognitive Einbußen bis hin zur Demenz und motorische Störungen sind hierbei die Folgen. AIDS löst auch bösartige Veränderungen wie das Kaposi-Sarkom aus.

Über die Symptome von HIV und AIDS

Die ersten HIV-Symptome machen sich schon während der ersten Wochen nach der Ansteckung bemerkbar. Dagegen kann die Zeit von der HIV-Übertragung bis zum Ausbruch von AIDS Jahre betragen. Ungefähr die Hälfte aller Infizierten erkrankt erst nach zehn Jahren an AIDS.

HIV-Stadium A

Die frühen Symptome treten ab dem sechsten Tag bis zu sechs Wochen (meistens zwei Wochen) nach der Ansteckung in Erscheinung. Da sie im Wesentlichen einem grippalen Infekt, manchmal auch einem eher mild verlaufenden Pfeifferschen Drüsenfieber ähneln, bleibt die HIV-Infektion oftmals unentdeckt. Zu den ersten Symptomen gehören:

  • Kopf- und/oder Halsschmerzen
  • Fieber
  • Geschwollene Lymphknoten
  • Hautausschlag (HIV-Flecken)

Bei dem letzten Punkt sprechen Mediziner vom „diskreten HIV-Exanthem am Körperstamm“.

Die symptomfreie Latenzphase

Die oben genannten ersten HIV-Symptome klingen bald ab, dennoch schädigt das Virus weiterhin das Immunsystem. Es handelt sich nun um eine Monate lange „stumme Phase“ der Infektion, die aber mit einer Lymphknoten-Schwellung am ganzen Körper endet.

HIV-Stadium B

In dieser Phase ist das Immunsystem schon so weit geschwächt, dass sich verschiedene Krankheiten breitmachen können. Mediziner sprechen hier vom „AIDS related complex“ (ARC), der durch folgende Symptome gekennzeichnet ist:

  • lange anhaltender Durchfall (oftmals mehr als vier Wochen)
  • starker Gewichtsverlust
  • lange bestehendes Fieber mit Nachtschweiß
  • Lungen- oder Hirnhautentzündung (ausgelöst durch Bakterien)
  • Lungentuberkulose
  • Sepsis (bakterielle Blutvergiftung)
  • Herpes zoster (Gürtelrose)
  • Der seitliche Zungenrand erscheint weißlich (orale Haarleukoplakie)
  • Rachen- und Scheidenentzündung durch Pilze
  • Bösartige Veränderungen im Gebärmutterhals

AIDS-Stadium C

Nun erkranken die Patienten an den sogenannten opportunistischen Infektionen, was bedeutet, dass verschiedene Erreger die erworbene Immunschwäche ausnutzen. Die typischen, sonst eher seltenen Erkrankungen in dieser Phase sind:

  • Lungenentzündungen durch Pneumocystis jirovecii
  • Candida-Pilz-Infektionen, die die Speiseröhre und die tieferen Atemwege befallen
  • Toxoplasmose-Erreger führen zu Gehirnentzündungen.
  • Zytomegalievirus-Infektionen in den Augen (Retinitis der Netzhaut), im Darm, in der Lunge und im Gehirn
  • Das bereits oben erwähnte Kaposi-Sarkom wird durch Viren des Typs Herpes8 ausgelöst. Bei diesen braunroten „AIDS-Flecken“ handelt es sich um eine bösartige Neubildung von Blutgefäßen.
  • Tuberkulose
  • Das JC-Virus infiziert das Nervensystem und führt zu „progressiver multifokale Leukenzephalopathie“.
  • Das Wasting-Syndrom bedeutet einen circa zehnprozentigen Gewichtsverlust innerhalb von sechs Monaten, ständigen Durchfall und Fieber.
  • Bösartige Lymphome, eine Krebserkrankung der B-Lymphozyten

AIDS-Behandlung

Mithilfe moderne Medikamente gelingt es heute immerhin, im Blut die Virenlast unter die Nachweisgrenze zu drücken. Je früher eine HIV-Infektion erkannt und behandelt wird, desto größer sind die Chancen, damit ein fast unbelastetes Leben führen zu können. Die Therapie wird individuell auf jeden Patienten abgestimmt, indem beispielsweise zunächst der genaue Typ des HI-Virus im Labor bestimmt wird. Die Behandlung muss der Patient allerdings lebenslänglich exakt einhalten.

Was bedeutet HAART?

Zurzeit gibt es über 20 Arzneimittel, die für die „hochaktive antiretrovirale Therapie“ (HAART) ganz individuell kombiniert werden können, um so auch einer Resistenzentwicklung des HI-Virus vorbeugen zu können. Im Wesentlichen sind es die folgenden Medikamente, die zur Anwendung kommen:

  • Reverse-Transkriptase-Hemmer (RTI) hindern das HI-Virus mit Wirkstoffen wie Efavirenz, Emtricitabin, Lamivudin oder Tenofovir an seiner Vermehrung.
  • Protease-Inhibitoren (PI) verhindern ebenfalls die Virusvermehrung unter anderem mit dem Wirkstoff Atazanavir.
  • Integrase-Inhibitoren (INI) wie Raltegravir hindern das Virus daran, seine Erbinformationen im Erbgut der menschlichen Wirtszelle einzufügen.
  • Fusions-Inhibitoren (FI) wie Enfuvirtid verhindern die Einschleusung des Virus in die Wirtszelle.

Ein Kriterium dafür, wann eine HAART-Therapie einzuleiten ist, ist zum Beispiel die Anzahl der T-Helferzellen, die nicht unter 350 CD4-Zellen pro Mikroliter (µl) Blut abgleiten sollte. Spätestens sechs Monate, nachdem eine solche Therapie begonnen wurde, sollte die Viruslast unter 50/µl Blut liegen. Wenn dem nicht so ist, wird in der Regel eine andere Kombination von Medikamenten probiert.

Leitlinien:

Selbsthilfegruppen: